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Die Tore zum Himmel und Hölle liegen direkt nebeneinander und gleichen einander aufs Haar.

-- Nikos Kazantzakis

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Osiris
Titel: 5-Minuten-Dichtung  BeitragVerfasst am: 27.05.2006, 21:40 Uhr
Aktives Mitglied



Anmeldungsdatum: 12. Mai 2006
Beiträge: 50
Wohnort: Baluchistan
Hello,

ein Freund von mir und ich schreiben 5-Minuten-Gedichte, wenn uns langweilig ist; diese müssen in 5 min fertig sein und genau wie die 5-Minuten-Teriene gut schmecken.

Hier ist eins: Zeit [2min 35 sek]

Gestrandet bin ich
getrieben bin ich an deinen Strand
die rauhe See warf mich hin und her
um endlich zu finden den Frieden in deinem Schoss

Doch nichts ist von Dauer
wie die Liebe kommt, so geht sie als Gleichgültigkeit
wie die Glut kommt, so geht sie als Asche

Auf jede Flut kommt die Ebbe
und entreisst mich der Stille

Den wahren Frieden werd´ ich niemals finden

_________________
mysterious ways
 
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Sahar2
Titel:   BeitragVerfasst am: 28.05.2006, 09:35 Uhr
Silbermitgliedschaft



Anmeldungsdatum: 01. Feb 2005
Beiträge: 141

Hier ist noch eins ( 4:56)

Der kleine Gnom , frech und klein
Ging durch dir große Welt allein
Er hüpfte hin, hüpfte her
Liebte das leben und die Frauen sehr

Mutig war er ganz gewiß,
Soo mutig, vor niemandem hatte er Schiss
Er stolziert durch die Löwengrube
Und macht sich dabei keine Mühe

Doch etwas störte ihn so sehr
Er war so klein, er wollte mehr
Da dacht er sich , ganz widerlich:
Ich tu mal so als liebte mich
Die große Frau ,zu stolz ist sie
Leiden soll sie wie noch nie !

So denn er vollbrachte die Tat
Und dachte er sei dabei größer geworden
Und dass ihn jetzt jeder mag
Doch er hat nur an Größe verloren
Wie schade der Gnom, er ist so verlogen !


Danke fürs Zuhören
 
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Qais
Titel:   BeitragVerfasst am: 29.05.2006, 04:07 Uhr
Goldmitgliedschaft



Anmeldungsdatum: 25. Feb 2005
Beiträge: 354
Wohnort: Koh e Noor
[3 min: 23 sek]

Der Körper' eine schwankende Blume
An Überdosis von Gefühlen beginnt sie zu verwelken
Die Seele' ein durstiger Trinker
Saugt sie nicht seinen Saft auf, kann sie nicht erblühen


Qais
 
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Sahar2
Titel:   BeitragVerfasst am: 29.05.2006, 18:09 Uhr
Silbermitgliedschaft



Anmeldungsdatum: 01. Feb 2005
Beiträge: 141

Gebt her den Kelch, welch ein schöner Tag !
Wie der Wein mich stillt und ich den Todesschritt wag
Gebt her euer Leid, ihr trunkenen Seelen!
Wie der Wein flößt euch Glück in die trockenen Kehlen.

(4:und noch was..)

Prost! icon_lol.gif
 
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Osiris
Titel:   BeitragVerfasst am: 29.05.2006, 18:27 Uhr
Aktives Mitglied



Anmeldungsdatum: 12. Mai 2006
Beiträge: 50
Wohnort: Baluchistan
Hellö,

Sahar, dein erstes Gedicht ist ziemlich gut. In so kurzer Zeit 4 Strophen, die sich auch noch gut reimen, nicht schlecht! icon_eek.gif
Der Inhalt ist witzig, machst den armen "Gnom" ja richtig fertig! icon_lol.gif

Qais,
dein Gedicht hat mir sehr gut gefallen, die Bedeutung deiner Zeilen ist sehr tief, vielsagend, trüb aber doch schön.

Hier noch einige Zeilen, die aber in Zusammenarbeit von einem Kumpel und meinem Bruder gerade erst entstanden sind: Zeit[4min 22sec] zur Music von A Perfect Circle

Trage deinen Groll wie eine Krone,
Berechne was wir werden ertragen und was nicht,
Verzweifle an dem Gedanken der Allmächtigen Kontrolle
unfähig abzulegen dein scharlachrotes Ich

Die Schönheit liegt nicht in der Harmonie
Dissonanz ist die Würze für den Tauben
wie sich der Blinde am Horror ergötzt
so lebt der Tote in jedem weiter, den er berührt

_________________
mysterious ways
 
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Sahar2
Titel:   BeitragVerfasst am: 29.05.2006, 20:28 Uhr
Silbermitgliedschaft



Anmeldungsdatum: 01. Feb 2005
Beiträge: 141

Salam Liebe Freunde der Dichtung,
Das folgende Gedicht ist ist zur Musik von Billie Holiday(strange fruit)
enstanden. Das hab ich übrigens von Osirisjan gelernt! icon_lol.gif
Bei deinem Gedicht muss ich übrigens noch etwas grübeln!
Qaisjan wie immer: Knapp ,aber hats in sich


Schleichend , kriechend übermannt sie dich
Die ewge Sehnsucht
Kennt Erbarmen nicht

Flüsternd, leise zwingt sie dich
Denk an ihn und nähre mich!
Schon bald hungerst du nach Liebe
Die Sehnsucht
Sie nahm sich dein Leben gleich einem Diebe!
 
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sahar84
Titel:   BeitragVerfasst am: 30.05.2006, 10:43 Uhr
Silbermitgliedschaft



Anmeldungsdatum: 18. Apr 2006
Beiträge: 208

Salam Leutz!

Wow in nicht mal 5 min habt ihr so gute Gedichte geschrieben? icon_surprised.gif not bad!
Habe das noch nicht probiert, weil ich doch ein bisschen länger brauchen würde um fertig zu werden.
Super kreative Köpfe hier,was? icon_biggrin.gif
Aber wenigstens kann ich diese 5min Teriene genießen und ihr bereitet es zu icon_cool.gif icon_razz.gif
Weiter so! icon_smile.gif
Keep smiling. Khuda hafiz.

_________________
Reich wird man erst durch Dinge, die man nicht begehrt (Gandhi)
 
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Qais
Titel:   BeitragVerfasst am: 30.05.2006, 15:06 Uhr
Goldmitgliedschaft



Anmeldungsdatum: 25. Feb 2005
Beiträge: 354
Wohnort: Koh e Noor
Osiris jan und die anderen Beteiligten, euer Gedicht hat mir Genuss beim Lesen bereitet. Die vereinte Kraft dreier Poeten, scheint zu wirken, dass hinter den zwei Vierzeilern sich ein göttlich belehrender Sinn versteckte:

Um das Ich, oder das Ego drehen sich die Verse. Den Groll trägt das Ego, wie eine Krone. Der Verstand, das eng verwandt mit dem Ego ist, berechnet was er ertragen kann und was nicht. Der Mensch, der primär sich um das erhalten seines Egos bemüht, ist weit weg vom Pfad des Allmächtigen und stellt Seine Allmacht, möglicherweise, in Frage. Später wird vielleicht ein Mensch, der voller Ego und somit weit Weg von Gott strebt, als lebender tote beschrieben – dein Ego ist dein inne lebender Tod.

Sahar jan, dein Gedicht spricht, wie auch nicht zu verfehlen, die Sehnsucht im Menschen an. Es hebt sich sehr gut hervor, dass eigentlich Liebe und Sehnsucht gleichbedeutend sind. Das hast du ganz einfach und poetisch schön gemacht.


Aus dem summen der Stille [5 min: 12sek]:

Dein zartes Geflüster
Meine warmen Versprechen
Deine tanzenden Wünsche
Mein ewiger Bund

Sag' warum hat mein Schicksal geschieden
Dich deiner kurzen Harmonie?
Sag' warum hat Gott mich verbannt
Gestern getötet und bis heute geschwiegen?

Eine Klage zurück geblieben
Spuren der Einheit verwischt
Das Herz bis zu Tränen gestreckt
Und mein Geheimnis wurde entdeckt


Qais
 
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Sahar2
Titel:   BeitragVerfasst am: 30.05.2006, 20:03 Uhr
Silbermitgliedschaft



Anmeldungsdatum: 01. Feb 2005
Beiträge: 141

Salam Ihr Freunde der Dichtung,

Qaisjan dein Gedicht gefällt mir sehr gut. Dass es um die Trennung zweier Menschen geht ist ,denke ich ,offensichtlich.
Ganz besonders gefällt mir die erste Strophe: tanzende Wünsche , warme Versprechen...., das fühlt sich für mich wie ein Sommerregen an (keine Ahnung warum).
Da fällt mir ein dass man anstatt zu versuchen die Gedichte zu interpretieren, vielleicht noch hinzufügen könnte welche Verse man womit assoziiert (Warum muss man natürlich nicht sagen!). Nur ein Vorschlag .
Übrigens Osirisjan und Qaisjan ich muss mich echt bemühen das Niveau zu halten !Trotzdem seh ich auch in der einfachen , fast schon kindlichen Dichtung etwas tiefgründiges und schönes.
Sodann...

Sprachlos blieb ich zurück
Unschuldig die Augen, verlassen vom Glück
Der Seele Lasten trag ich starr und schwer
Fort ging sie, längst konnte sie nicht mehr

Nun schweig ich von Angst umhüllt
Und der Schmerz den Körper ausfüllt
Komm Unglück falle über mich her
Wer bin ich ? Ich weiß es nicht mehr

Die Zeit scheint vergebens zu suchen
Nach denen die die Ängste schufen
Doch verdeckt sie das Leid das niemals verheilt
Durch des Vergessens neblige Schicht
Weiß sie nicht , dass es sichtbar bleibt auf ewig?


(Also fünf Minuten waren es sicher nicht , vielleicht sechs oder sieben)
 
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sahar84
Titel:   BeitragVerfasst am: 31.05.2006, 14:50 Uhr
Silbermitgliedschaft



Anmeldungsdatum: 18. Apr 2006
Beiträge: 208

Salam

ich habe mal versucht ein Gedicht in weniger als 5min zu schreiben. Natürlich ist es bescheiden, im vergleich zu euren Gedichten. Aber ich hätte nicht gedacht, dass ich sowas packe und habe es deswegen hier reingepostet

(4 min 7sec)

Gegangen bist du, Fort bist du nun
Wohin wird sich verschlagen mein Schicksal

Ohne dich, mein leuchtender Mondschein
Stellst mich auf die Probe
Bist forgetragen von dem Schatten der Sonne
Der mich lässt verbrennen auf dieser Welt.

Fort bist du nun, gegangen bist du
Verlassen bin ich, hilflos bin ich ohne dich.

_________________
Reich wird man erst durch Dinge, die man nicht begehrt (Gandhi)
 
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Osiris
Titel:   BeitragVerfasst am: 01.06.2006, 19:08 Uhr
Aktives Mitglied



Anmeldungsdatum: 12. Mai 2006
Beiträge: 50
Wohnort: Baluchistan
Salam,

hier ist ein weiteres Stück: Zeit [3min 55 sec]


Stehend blute ich hier, alles verschwimmt
Ich rettete ich die Welt, den Tod als Lohn
mit leeren Augen stehen sie, von neuem beginnt
es wird kalt, ich rieche der Heimat Erde und Mohn

Gepeinigt habe ich, getötet habe ich
die Schleuder des Schicksalsrad warf alles zurück
was ich an Leid getan auf mich
Stück für Stück

_________________
mysterious ways
 
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Osiris
Titel:   BeitragVerfasst am: 01.06.2006, 19:10 Uhr
Aktives Mitglied



Anmeldungsdatum: 12. Mai 2006
Beiträge: 50
Wohnort: Baluchistan
Ein Lob an alle anderen Dichter und Dichterinnen, euere Werke finde ich sehr anregend.Leider habe ich gerade nicht so viel Zeit, um mich zu jedem Gedicht auszulassen, aber ich hole es nach.
Und bitte sendet weiter eure Werke, es wird immer besser und besser!

icon_smile.gif

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mysterious ways
 
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Tweety
Titel:   BeitragVerfasst am: 01.06.2006, 23:33 Uhr
Silbermitgliedschaft



Anmeldungsdatum: 16. Aug 2005
Beiträge: 211

Shalom,

hab mir mal eure Gedichtchen durchgelesen. Alle sehr interessant und schön geschrieben, auch wenn zum Teil schwer verständlich. Aber...muss es mir einfach noch ein paar Mal durchlesen icon_cool.gif


Nun meins...ungefähr über 5 und unter 6 min... hab net genau auf die Uhr geguckt ;o)



Es gab einmal ein traur’ges Völkchen
Köpfe hängend, matt und leer
Lebten in ihrer kleinen Welt
Mit Farben nur aus tristem grau

Ihr Herz einst bunt geschmückt
Ertrank im Meer der Träume
Es spülte weg die Farbenpracht
Fror darauf ein in Kälte

Das Völkchen mied nun alles Licht
Verschmolz mit Schatten und Finsternis
Vergoss Tränen um des eigenen Leids
In die es wieder zu ertrinken droht
 
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Qais
Titel:   BeitragVerfasst am: 02.06.2006, 18:03 Uhr
Goldmitgliedschaft



Anmeldungsdatum: 25. Feb 2005
Beiträge: 354
Wohnort: Koh e Noor
Auch ich bin etwas knapp an Zeit, daher jetzt nur ein paar Verse, weil so manchmal der Mensch mit diesem komplexen Gefühl von erdrückender Verzweiflung und süsser Sehnsucht konfrontriert wird. Dieser angenehm, unerforschte Schmerz rumorte wohl schon seit seiner Existenz im Menschen, aber wer von uns kommt hinter seinem absoluten Geheimnis?

Das Gedicht ist vor geraumer Zeit entstanden, wahrscheinlich mit unter zehn Minuten:

Als ich war und du
Ganz nah - Gesichter sich spiegelnd in neugierigen Augen;
Deinen Atem habe ich gerochen
Mit den Fingerkuppeln die zarte Haut gezeichnet
Angetrunken vom Rausch innerer Sehnsucht
Dass auch sich sanft streichelten volle Lippen
Unsichtbar habe ich deine Liebesströme aufgesogen
Und von dem Hauch Gottes war die Seele geschwängert
So hat keine flüsternde Stimme je Sein Geheimnis entlarvt
Dass meine Zunge gekreuzigt aufschrie
Wo im Körper nur – Allmächtiger
Hast Du ihr Herz und Dein Seel verbracht?


Qais
 
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Sahar2