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Ratzeburger Ehepaar engagiert sich für Schulen in Afghanistan

Verfasst von: Afghan-Info Team ::: am Sonntag, 03. Juni 2007, 12:34 Uhr ::: 95 Aufrufe

Nachrichten Die Menschen in Afghanistan brauchen unsere Hilfe. Man kann dort nicht alles einpacken, nur weil die Lage schwieriger geworden ist." Der dies sagt, weiß wovon er spricht, denn der Ratzeburger Detlev Schumacher lebte sechs Jahre in dem wilden Land, engagiert sich seit langem für den Verein Afghanistan-Schulen und ist dessen stellvertretender Vorsitzender. Sogar seine Frau Helga lernte Schumacher einst in Afghanistan lernen: Sie arbeitete dort in einem Kinderheim, er als Lehrer für den Deutschen Entwicklungsdienst. "Es ist ein wunderschönes Land mit sehr gastfreundlichen Menschen", sagt Helga Schumacher, die bereits mehrfach in den letzten Jahren für den Verein nach Afghanistan reiste - mal allein, mal zusammen mit ihrem Mann.
Auch jetzt würde das Ehepaar aus Ratzeburg erneut die Koffer packen - "wenn es nötig wäre", schränkt Detlev Schumacher ein. Von rein touristischen Reisen rät er eher ab, hofft aber, dass dies eines Tages problemlos möglich ist.

Ein Schock für den Verein, der im Norden Afghanistans schon mehr als 30 Schulen gebaut hat und derzeit 40 Schulen betreut, war vor einigen Wochen die Ermordung seines langjährigen führenden Mitarbeiters Rahman Qul. Der ehemalige Lehrer und Vater von sechs Kindern wurde von Unbekannten vor seinem Haus in der Provinzstadt Andkhoi erschossen - dort, wo die deutschen Afghanistan-Helfer mit ihren Schulen und ihrem speziellen Kursprogramm für Mädchen und Frauen besonders aktiv sind. "Es gibt aber keine Hinweise, dass der Mord an unserem Regionaldirektor etwas mit unserer Arbeit dort zu tun hat", sagt Detlev Schumacher. Wahrscheinlich seien die Mörder nicht politisch motivierte Verbrecher gewesen: "Die Machtlosigkeit des Staats verleitet kriminelle Elemente zu solchen Taten."

"Wir kannten Rahman Qul sehr gut und waren öfter bei ihm und seiner Familie zu Gast", fügt seine Frau hinzu. Die Tat sei "so sinnlos und entsetzlich".

Doch eins bekam der Verein aus Afghanistan in den vergangenen Wochen immer wieder zu hören: Die Hilfe aus Deutschland darf nicht aufhören. "Die Afghanen sind sehr deutschfreundlich", erzählt Detlev Schumacher. Deshalb sei in dem Land auch die Empörung über den tödlichen Anschlag auf die Bundeswehr vor kurzem so groß gewesen: "Alle, mit denen wir in Afghanistan sprachen, waren sehr froh über die Anwesenheit der deutschen Soldaten." Sie jetzt abzuziehen, wäre ein schlimmer Fehler, sagt er.

Das gelte auch für die Hilfsorganisationen. Schumacher: "Unsere humanitäre Arbeit ist hoch angesehen und für eine große Region sehr wichtig." Es gehe dabei nicht nur um den Unterricht: "Allein 60 Bauarbeiter sind da fest für uns tätig, weitere werden je nach Bedarf für Bau- und Sanierungsmaßnahmen hinzugezogen." Damit sei der Verein ein bedeutsamer Arbeitgeber in einer Gegend, in der es sonst kaum Arbeit gebe.

200 Mitglieder hat der Verein in Deutschland, weitere 200 Bürger überweisen regelmäßig Spenden. Da auch viele Gruppen, zum Beispiel die Schüler des Möllner Marion-Dönhoff-Gymnasiums, die Schulprojekte in Afghanistan nach Kräften unterstützen, kommen jährlich rund 500 000 Euro zusammen. "Das Geld wird dringend gebraucht", sagt dazu Helga Schumacher. Zwar würden die Lehrer an den vom Verein betreuten Schulen inzwischen vom Staat bezahlt, aber für Neu- und Ausbauten, für Computer- oder Nähkurse sowie für Lehrmitttel sei oft kein Geld da. Dabei könne der Verein mit relativ geringen Mitteln sehr viel bewirken: Eine Schule mit zehn Klassen in einem zweckmäßig eingerichteten Gebäude kann zum Beispiel für gut 50 000 Euro errichtet werden.

Drei neue Schulen im Norden Afghanistans hat der Verein derzeit im Bau, etliche weitere sollen 2008 und 2009 hinzukommen. Und damit alles reibungslos läuft, fahren zweimal im Jahr Mitglieder aus Deutschland in das ferne Land, um zu überprüfen, dass alle Spendengelder sinnvoll eingesetzt werden. Bisher war dies stets der Fall, was auch den zuverlässigen Mitarbeitern vor Ort zu verdanken ist.

Im Herbst startet die nächste Reise. Sind Helga und Detlev Schumacher dann dabei? "Ausschließen können wir das nicht", antworten die Ratzeburger.

Von Norbert Dreessen, LN
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