 |
|
 |
|
Ohne Fehler kann es keine Brillanz geben.
-- Emanuel Lasker
|
|
|
|
|
 |
|
 |
|
Verfasst von: Afghan-Info Team ::: am Sonntag, 15. April 2007, 12:21 Uhr ::: 119 Aufrufe
|
|
SONDERSHAUSEN. Schutzweste statt Schlips, Basar statt Büro, Vier-Mann-Stube statt Reihenhäuschen - der Dienst in Afghanistan ist auch für Zivilangestellte kein Zuckerschlecken. Und doch ist Lothar Girschele aus Sondershausen allzeit bereit, wenn jemand für einen gefährlichen Auslandseinsatz gesucht wird.Von Sebastian TAUCHNITZ Die Tauglichkeitsstufe 2 nimmt man dem 53-Jährigen unbesehen ab. "Man muss sich mal überlegen, dass aufgrund neuer Kriterien viele Jugendliche heutzutage nicht wehrtauglich sind", sagt der drahtige, durchtrainierte Beamte und grinst. Wenn die Augen nicht altersbedingt etwas nachgelassen hätten, stünde auf seinem Tauglichkeitsattest garantiert eine 1. Girschele muss allerdings auch topfit sein, denn er sitzt auf einem von nur rund 20 zivilen Dienstposten im Hauptteil der neuen Bundesländer, deren Inhaber von heute auf morgen in den Auslandseinsatz geschickt werden können. Sie sind immer gegen alles geimpft, haben die komplette Ausrüstung parat. Denn wer als Verwaltungsangestellter nach Afghanistan, Kosovo oder Kongo geht, der muss gerüstet sein. Trägt die selbe Uniform und Bewaffnung wie normale Soldaten, absolviert vorher exakt die selbe Ausbildung.
Für den ehemaligen NVA-Angehörigen, der seit 1991 als Zivilangestellter für die Bundeswehr arbeitet, ist Fitness selbstverständlich. Auch in Afghanistan war Girschele morgens der erste auf dem Laufband im Fitnesscenter - alte Schule eben.
Bereits mehrfach war der Sondershäuser am Hindukusch im Einsatz. Zweimal in Kabul und einmal in Kundus. Denn dort und in Mazar-E Sharif hat auch die Bundeswehrverwaltung eine eigene Abteilung. "Wir sind unter anderem zuständig für die dezentrale Beschaffung - also den Kauf von allem, was nicht über die Materialversorgung der Bundeswehr bestellt werden kann -, die Schadensregulierung und die Multinationale Abrechnung", so Girschele weiter. Er ist erst im Februar aus Afghanistan zurückgekehrt. Obwohl er bereits am 1. Juni abgereist war. Doch kaum hatte er am 14. Oktober seine Familie wieder in die Arme geschlossen, da fiel auch schon sein Nachfolger aus. Und Girschele jettete ein weiteres Mal über Usbekistan in das Krisengebiet. "Bedingung war aber, dass ich zumindest Weihnachten zu Hause verbringe", so der Beamte. Denn 2004 und 2005 saßen seine Frau und die mitlerweile erwachsenen Kinder alleine unterm Tannenbaum, während er in Afghanistan Dienst schob.
Kann man in Kundus überhaupt irgendetwas dezentral beschaffen? "Und ob", sagt Girschele und blättert durch die Fotos auf seinem Laptop. "Da gibt es eigentlich alles, wenn man lange genug danach sucht." Ob nun Kabel oder einen Teppich für den Andachtsraum des Pfarrers im Camp, Besteck, einen Ofen für das Betreuungszentrum oder einen Fernseher für die Kameraden aus der Nachbarstube - alles kein Problem für Girschele und seinen afghanischen Helfer. Der übernahm auch das obligatorische Feilschen: "Da geht es nicht nur darum, einen angemessenen Preis zu bekommen. Genauso wichtig ist, dass es schon als ehrenrührig gilt, wenn man nicht handelt", sagt Girschele und zeigt die Bilder der einzelnen Gassen, in denen entweder nur Geschirr oder nur Elektroartikel oder ausschließlich Fleisch offeriert wird. Wem Kundus nun als fernöstliches Schnäppchenparadies vorschwebt, verdirbt Girschele schnell den Tagtraum. "Aufgrund der Sicherheitslage sind wir immer mit mehreren gepanzerten Autos unterwegs gewesen", berichtet er. Jeder der Einkäufer hatte zwei Waffen am Mann, man sicherte sich gegenseitig.
Nein, ein Spaß ist der Aufenthalt in Afghanistan nicht. Im Gegenteil: Die Stimmung im Land hat sich nach Girscheles Ansicht verschlechtert. "Vor ein paar Jahren haben die Leute in Kabul noch gewunken, als die Bundeswehrfahrzeuge durch die Stadt gefahren sind. Heute winkt dort keiner mehr." In Kundus im Norden des Landes sei die Lage etwas entspannter, dennoch seien die Soldaten auch hier immer auf der Hut. "Wir bemühen uns, der Bevölkerung zu helfen, wo es geht. Denn das merken sich die Leute im Zweifelsfall", beschreibt Girschele die Taktik.
Dennoch: Der nächste Bunker ist im Stützpunkt immer nur ein paar Schritte entfernt. Wie kommt die Familie damit klar, dass sich Vater und Ehemann Lothar immer wieder in Gefahr begibt? "Sie hat immer hinter mir gestanden", so Girschele. Es sei extrem wichtig, dass man "Klar Schiff" mache, bevor man in den Auslandseinsatz gehe. Sicher, seine Kinder seien nicht begeistert gewesen, dass der Vater seinen ruhigen Schreibtischposten gegen einen afghanischen Basar eintauschte. Aber seine Frau Regina, die übrigens selbst bei der Bundeswehr arbeitet, "hat mir immer den Rücken frei gehalten. Egal, was es zu Hause an Problemen gab - ich habe in Afghanistan davon nichts mitbekommen", sagte er.
Doch was ist es, das ihn immer wieder in den Auslandseinsatz treibt? Das Geld? "Natürlich sind die Zuschläge, die gezahlt werden, ein angenehmer Nebeneffekt", so Girschele. Doch ihm geht es vor allem darum, anderen zu helfen: "Das geht in Afghanistan schneller und unbürokratischer als hier in Deutschland."
Und so steht der gepackte Seesack immer in der Ecke. Denn schon morgen könnte der nächste Anruf kommen. Ob Kongo, Kosovo oder Kabul - Girschele ist bereit. 13.04.2007 TAZ
|
|
|
|
 |
|
 |
Wilkommen Gast Werden Sie Mitglied!

  
 Registerierung ist frei und gibt den vollen Zugang zu dieser Seite

Registrieren | | | | Login:
|
| | | | | | | | |  | Mitglieder: | | Heute Neu: | 0 | | Gestern Neu: | 0 | | Gesamt: | 1940 | | Letzter: | | littlesmile77 |
| | | | | Online | | Mitglieder: | 0 | | Gäste: | 11 | | Gesamt: | 11 |
| | | | | Mitglieder Online | | Keine Mitglieder Online |
| |
|
|