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Schenken ist ein Brückenschlag über den Abgrund deiner Einsamkeit.
-- Antoine de Saint-Exupery
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Verfasst von: Afghan-Info Team ::: am Donnerstag, 14. Juni 2007, 13:44 Uhr ::: 117 Aufrufe
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Heute vor fünf Jahren bekam Hamid Karsai von der großen Ratsversammlung, der "Loja Dschirga" den "Segen" der Afghanen. Davor war er der vom Westen eingesetzte Übergangspräsident. Seit Karsai im Amt ist, muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, an "unsichtbaren Fäden" zu hängen. Wer heute auf die Straße geht und die Menschen etwa in Kabul nach ihrer Meinung über ihren Präsidenten fragt, der hat eine Chance von deutlich über 50 Prozent, dass er keine Lobeshymne zu hören bekommt: "Wenn Karsai zur nächsten Wahl antritt, wird er die nicht gewinnen, weil die Leute unzufrieden mit ihm sind", sagt ein Student. An Karsais äußerer Erscheinung dürfte es kaum liegen. Er zeigt er sich immer mal wieder in Paschtunischen Hosen, mit Usbekischem Umhang und seinem Markenzeichen: der tadschikischen Lammfell-Mütze. "Es scheint so, als wollte er alle Bevölkerungsgruppen Afghanistans zumindest modisch auf ihre Kosten kommen lassen. "Er ist ein ausgesprochen charmanter Herr, der das berechtigterweise auch im politischen Geschäft einsetzt", sagt die Afghanistan-Experi Citha Maaß, die gerade auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kabul ist und Karsai schon oft persönlich getroffen hat. "Er gibt sich allerdings als traditioneller Herrscher mit dem Flair das damit verbunden ist. Das ist ein Flair, das nicht zu dem Stil eines demokratischen Präsidenten gehört", fügt sie hinzu.
Sie kreidet ihm an, dass er seinen ersten Fehler vor genau fünf Jahren gemacht habe. Damals habe er Geheimdienstleute und Kriegsfürsten in das Zelt eingelassen, wo die "Loja Dschirga" tagte, um ihn als Machthaber zu bestätigen. Das System, sich mit zumindest zweifelhaften Leuten zu umgeben, hat Bestand: "Er hat einflussreiche regionale Machthaber in Führungspositionen gebracht, zum Beispiel ins Kabinett, in die Ministerien, und er hat sie zu Gouverneuren und Polizeichefs ernannt. Das sind zu einem erheblichen Teil entweder korrupte Personen oder Personen, die eben ineffizient sind, und das hat die Bevölkerung gesehen", sagt Maaß.
Zu zwielichtigen Politiker gesellen sich: Arbeitslosigkeit, Opiumhandel, Taliban. Karsai kann sich über einen Mangel an Arbeit wahrlich nicht beklagen. Nur dass der Fortbestand der Probleme irgendwie auch immer wieder ihm angelastet wird. Hinzu kommt, dass Karsai beständig dem Vorwurf seiner Landsleute ausgesetzt ist, er hänge sozusagen an unsichtbaren Fäden, und an denen zöge ausschließlich der Westen. "Er kann ohne das Geld, das er durch die international Gemeinschaft bekommt, im Land nichts machen. Das nationale Budget im letzten Jahr wurde zu 93 Prozent von der internationalen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt. Damit ist er wirklich abhängig. Das wird in der Bevölkerung so gesehen", sagt Maaß.
Der Mann, der einst in den USA ein Restaurantkette aufbaute und von dort den Widerstand gegen die sowjetische Besatzung betrieb, versucht den Marionetten-Vorwurf immer mal wieder abzuschütteln. Zum Beispiel dann, wenn er sich energisch darüber beklagt, beim Kampf gegen den Terror in seinem Land kämen zu viele Zivilsten ums Leben: "Wir Afghanen leiden noch immer, entweder wegen der Operationen der Terroristen oder als Konsequenz aus den Operationen der Nato", sagt Karsai.
Bei aller Kritik an seiner Person wird oft vergessen, dass Karsai der erste demokratisch gewählte Präsident Afghanistans ist - und sich eine tragbare Alternative schon gar nicht abzeichnet. Im Jahr 2003 war Karsai mal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, den er dann doch nicht erhielt. Karsai nahm das damals aber schmunzelnd-sportlich: "Um den mal zu bekommen, muss ich wohl noch härter arbeiten, um noch mehr Frieden nach Afghanistan zu bringen."
Ein Satz, der heute noch dringlicher erscheint als vor vier Jahren.
Von Kai Küstner, ARD-Studio Neu Dehli, z.Zt. Kabul
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